
Jährlich lassen in Deutschland mehrere Millionen Fahrzeughalter den Ölwechsel in der Werkstatt durchführen – häufig zu Kosten von über 100 Euro. Dabei ist der Ölwechsel grundsätzlich auch in Eigenregie möglich, sofern einige technische, rechtliche und sicherheitsrelevante Aspekte beachtet werden. Wer über die notwendigen Kenntnisse und Ausstattungen verfügt, kann damit nicht nur Kosten sparen, sondern auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Rechtliche Rahmenbedingungen für den Ölwechsel in Eigenregie
Ein Ölwechsel darf in Deutschland nur auf privatem Gelände durchgeführt werden, beispielsweise in einer Garage oder auf einem abgeschlossenen Grundstück. Auf öffentlichen Straßen, Parkplätzen oder in anderen öffentlich zugänglichen Bereichen ist dies laut § 30 Straßenverkehrsordnung (StVO) untersagt, da es sich um eine Reparaturmaßnahme handelt.
Zulässig ist ein Ölwechsel auf Privatgrundstücken unter folgenden Bedingungen:
- Eine geeignete, auslaufsichere Auffangvorrichtung muss verwendet werden.
- Das Altöl muss vollständig aufgefangen und anschließend ordnungsgemäß entsorgt werden.
- Es dürfen keine Gefahren oder Verunreinigungen für Personen, Tiere oder Umwelt entstehen.
Das gesammelte Altöl kann in der Regel kostenlos bei Verkaufsstellen von Motoröl oder bei lokalen Wertstoffhöfen abgegeben werden. Ein Verstoß gegen Entsorgungsvorgaben kann zu erheblichen Bußgeldern führen.
Erforderliche Vorbereitung vor dem Ölwechsel
Vor dem eigentlichen Ölwechsel sind einige vorbereitende Maßnahmen notwendig. Das Fahrzeug sollte auf einem stabilen, ebenen Untergrund stehen, möglichst in einer Garage oder auf einem versiegelten Privatstellplatz. Für das Anheben des Fahrzeugs kommen Auffahrrampen oder ein hydraulischer Wagenheber in Verbindung mit Unterstellböcken zum Einsatz. Der alleinige Einsatz eines Wagenhebers ist aus Sicherheitsgründen nicht zulässig.
Der Motor sollte kurzzeitig laufen, um das Öl leicht zu erwärmen. Dadurch wird es flüssiger und lässt sich besser ablassen. Nach dem Abstellen des Motors ist sicherzustellen, dass das Fahrzeug gegen Wegrollen gesichert ist, alle Werkzeuge bereitliegen und das Ölauffanggerät korrekt positioniert werden kann.
Altöl sachgemäß ablassen
Zunächst wird der Öldeckel im Motorraum geöffnet, um einen Luftausgleich beim Ablassen des Öls zu ermöglichen. Unter dem Fahrzeug befindet sich idealerweise bereits das Ölauffanggerät, das eine sichere und saubere Sammlung des Altöls gewährleistet. Die Ölablassschraube am unteren Ende der Ölwanne kann nun mit einem Ringschlüssel vorsichtig gelöst werden. Beim Ablassen ist Vorsicht geboten, da das Öl heiß sein kann. Die vollständige Entleerung des Motors dauert mehrere Minuten. Rückstände sollten möglichst vollständig entfernt werden, um die Qualität des neuen Öls nicht zu beeinträchtigen.
Den alten Ölfilter entfernen und fachgerecht ersetzen
Nach dem Ablassen des Altöls wird der Ölfilter entfernt. Er befindet sich meist seitlich am Motorblock und kann mit einem speziellen Ölfilterschlüssel gelöst werden. Auch hier sollte eine Auffangvorrichtung unter dem Fahrzeug verbleiben, da Restöl austreten kann. Die Dichtfläche am Motorblock ist anschließend gründlich zu reinigen. Beim Einsetzen des neuen Filters empfiehlt es sich, die Dichtung leicht mit frischem Öl zu benetzen, um eine optimale Abdichtung zu gewährleisten. Der Filter wird von Hand aufgeschraubt und fest, aber ohne übermäßige Kraft angezogen.
Frisches Motoröl einfüllen und Füllstand kontrollieren
Nach dem Einsetzen des neuen Filters und dem Wiederverschließen der Ablassschraube kann das neue Motoröl eingefüllt werden. Der verwendete Öltyp muss den Vorgaben des Fahrzeugherstellers entsprechen, insbesondere hinsichtlich Viskosität und Normfreigaben. Ein Trichter erleichtert das saubere Einfüllen. Zunächst sollte eine etwas geringere Menge eingefüllt werden als vom Hersteller angegeben. Nach kurzem Motorlauf (30 bis 60 Sekunden) wird der Füllstand mithilfe des Ölmessstabs überprüft und bei Bedarf nachjustiert. Der Zielbereich liegt zwischen den Markierungen „Min“ und „Max“.
Typische Fehler beim Ölwechsel und wie man sie vermeidet
Ein häufiger Fehler besteht im falschen Anziehen von Ölfilter oder Ablassschraube. Zu festes oder zu lockeres Anziehen kann zu Undichtigkeiten führen. Auch die Wiederverwendung beschädigter Dichtungen kann negative Folgen haben. Die Verwendung eines Drehmomentschlüssels nach Herstellerangaben trägt zur Vermeidung solcher Probleme bei.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Umgang mit Altöl. Es darf keinesfalls über das Abwasser oder den Hausmüll entsorgt werden. Zudem ist auf persönlichen Schutz zu achten: Chemikalienfeste Handschuhe, eine geeignete Unterlage und gegebenenfalls Schutzbrille sind empfehlenswert.
Empfohlene Ausrüstung für einen sicheren und sauberen Ölwechsel
Wer regelmäßig selbst einen Ölwechsel durchführt, sollte in eine geeignete Grundausstattung investieren. Dazu gehören:
- ein vollständiger Steckschlüsselsatz oder Ringschlüssel
- ein Ölfilterschlüssel
- ein dichtes, chemikalienbeständiges Auffangbehältnis für Altöl
- Wagenheber und Unterstellböcke oder Auffahrrampen
- eine Stirnlampe oder ausreichende Arbeitsbeleuchtung
- Einweg- oder Mehrweghandschuhe
- saugfähige Unterlagen oder Ölbindemittel für den Notfall
- Reinigungsmittel zur Entfernung möglicher Ölreste